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  Österreich | 7.6.2005 | 17:51   

 
 
Wa:rum rockt Österreich
  von Andreas Gstettner

Ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der österreichische Bands sich in kleine Studios zwängten, meist für zwei bis vier Tage (also sehr wenig Zeit für Einspielen und Abmischen), um auf einer schon damals verstaubten "Fostex"-Bandmaschine ein paar Songs aufzunehmen. Und das alles durfte sich nur auf absolut niedrigem Preisniveau abspielen. Das Ergebnis waren 4-Track-Demoaufnahmen, die nicht selten in den eigenen Regalen der Musiker hängengeblieben sind.
 
 
 
  Sicher hat es das digitale Homerecording möglich gemacht, dass dieser Tage selbst in kleinen Kämmerchen Gitarren, Bass, Stimmen und sogar Schlagzeug in guter Qualität aufgenommen werden können. Und trotzdem hat sich in den letzten Jahren viel am österreichischen Musiksektor bewegt. Die Produktionen sind professioneller und die Arrangements ausgeklügelter geworden, der Standard ist mehr als nur merklich in die Höhe geschnellt. Neben Altgedienten wie Heinz, Tosca oder Urbs und den "neuen" Bands wie Roter Stern Silberstern, Jonas Goldbaum, Velojet oder Data Hero, die alle in diesem noch jungen Jahr eine Platte veröffentlicht haben, gesellt sich eine weitere heimische Formation in diesen Reigen: Wa:rum

 
 
Der luftleere Raum
  "Wir sind mit dem Ergebnis schon sehr zufrieden", meinen Bernhard Eder (Sänger/Gitarrist) und Stefan Kastner (Bassist), die zwei Heads von der Rockformation Wa:rum. Obwohl der nötige Abstand noch fehlt, kann die Band sich vorerst auch wirklich glücklich schätzen. "Bilingual", das neue Wa:rum-Album ist eine rundum schöne Pop-Rock-Platte geworden, die sich weder in Sachen Produktion, noch Arrangement hinter anderen Veröffentlichungen verstecken muss.

Und trotzdem ist es so eine Sache: Nach beinahe zwei Jahren harter Arbeit an den Songs, nach unentwegtem Fokussieren auf das Ergebnis, findet man sich nicht selten in einem Gemütszustand, der dem Schweben im luftleeren Raum gleichzusetzen ist. Es fehlen Angel- und Anknüpfungspunkte, sowie Orientierung und Abgrenzung in Bezug auf das musikalische Umfeld. Aber dies ist noch nie leicht für die Oberösterreicher Wa:rum gewesen:

Bernhard:
"Bei uns war es oft so, dass wir für Konzerte oder Festivals gebucht worden sind, bei denen viel härtere Musik gespielt wurde. Andererseits sind wir letztes Jahr im Wiener 'Porgy&Bess' aufgetreten, das war eher ein Singer/Songwriter Umfeld. Also wandeln wir eigentlich schon von Anfang an zwischen diesen zwei Pfaden."
 
 
 
Bilingual ...
  Dieses aus der Geschichte heraus zum Prinzip gewordene und sich verselbstständigende Wandeln zwischen den Pfaden macht sich gerade auf dem neuen Wa:rum-Album bemerkbar.

Zum einen werden - wie der Plattentitel schon nahelegt - die Songtexte in Englisch und Deutsch geschrieben. Eigentlich eher ungewöhnlich, birgt dies nicht zuletzt die Gefahr in sich, am Markt zwischen die "Neuer Deutschrock" und "Alternative-Indie" Stühlen zu fallen.

Stefan:
"Die Entscheidung war gar nicht so einfach, ein Album herauszubringen, auf dem 10 Titel oben sind und das in gemischter Sprache. Während den zwei Jahren der Entstehungsphase haben wir uns schon öfters überlegt, ob wir das so machen sollen."

Bernhard:
"Wir haben nicht extrem daran gezweifelt, ob es funktionieren kann. Es waren eher Leute von außen, die dieses Konzept kritisiert und gesagt haben: Das könnt ihr nicht machen!"

Stefan:
"Wir haben dann darauf gesagt: Wir machen es trotzdem."

Und diese Entscheidung war richtig, denn wo mancher Song auf Deutsch extrem gut funktioniert (wie die Single "sonntaeglich" beispielsweise), wäre das englische Äquivalent wohl eher oberflächlich ausgefallen. Hier sei jedoch noch angemerkt, dass gerade die sprachliche Realisation jener Punkt ist, der noch verbessert werden könnte.

 
 
... und bimusikal
  Zum anderen wandeln Wa:rum auch musikalisch auf zwei verschiedenen Pfaden. So wechseln sich ruhige, elegische Nummern, bei denen gerade die stimmlichen Qualitäten von Bernhard besonders gut zur Geltung kommen, mit rockigen uptempo-Songs ab. Nach erstmaligem Hören stellt sich das Gefühl ein, dass vor allem die ruhigeren, einfühlsameren Tracks der Band besser zu Gesicht stehen. Das hat nicht zuletzt mit Bernhards Vorliebe für melancholische Musik zu tun.

Bernhard:
"Die Präferenz beim Live-Spielen liegt eindeutig bei den rockigen Liedern. Aber an sich bin ich schon ein kleiner Melancholiker." (lacht)

Stefan:
"Wobei man sagen muss, dass die langsameren Nummern bei Live-Konzerten einen ganz anderen Reiz haben. Da haben wir das Publikum schon immer wieder überraschen können, wenn ein Gig mit nur akustischer Gitarre und Bernhards Stimme anfängt. Gerade wenn davor und danach Bands spielen, die ausschließlich abrocken."

Vielleicht ist gerade dieses Spannungsfeld, dieses "zwischen den Schubladen stecken" genau das, was diese Band und ihre Produktion so interessant macht.

 
 
 
 
Das Glück der Tüchtigen?
  Eigentlich grenzt es fast schon an Glück, dass "Bilingual" erschienen ist. Denn seit Wa:rum sich ihre Gitarren umgeschnallt haben, gab es immer wieder "Probleme" mit der Rhythmussektion. Schon einige Schlagzeuger wurden in die Band und den Sound integriert und nach einigen Jahren wieder subtrahiert. Dabei waren persönliche Streitigkeiten nie Beweggründe. Meist waren es verschiedene Lebenphasen und persönliche Lebensentscheidungen, die unterschiedliche Wege zur Folge hatten. Das bedeutet intern oft auch einen mühevollen "Schritt zurück". Dass dabei die Motivation, dieses fragile Bandvehikel am Laufen zu halten, sehr strapaziert wird, ist klar.

Stefan:
"Unser erster Schlagzeuger hat nach achteinhalb Jahren die Band verlassen, um nach Spanien zu gehen und dort zu studieren. Hannes Dullinger, der die Platte auch eingespielt hat, hatte sich schon vor den Aufnahmen vorgenommen, fix nach Berlin zu gehen."

Bernhard:
"Wie unser letzter Schlagzeuger weg ging, habe ich mir schon gedacht: Ach, wieder das Ganze von vorne, das ganze Proben ... Aber zu diesem Zeitpunkt war die Platte schon im Endstadium."

Stefan:
"Gott sei dank!" (allgemeines Lachen)

Dieses "Gott sei dank" kann ich nur unterstützen. Denn wenn Wa:rum nicht einen solch langen Atem gehabt hätten, wären wir um eine weitere, sehr gute österreichische Rockplatte ärmer. Bleibt nur zu hoffen, dass das Echo auf Wa:rums "Bilingual" groß genug ist, um den sympathischen Oberösterreichern genug Kraft und Motivation zu geben, auch weiterhin auf ihren Zwischenpfaden durch die heimische Musiklandschaft zu wandeln.
 
 
 
Livekonzerte
  Wa:rum präsentieren ihr neues Album "Bilingual" live:

Am Mittwoch 15. Juni im Wiener Chelsea und beim Donauinselfest am Freitag, den 24. Juni um 17 Uhr auf der Menschenrechtsbühne.

Ein ausführliches Interview mit Wa:rum und eine Listening Session durch das neue Album könnt ihr am kommenden Sonntag, den 12. Juni in der Nacht im FM4 Soundpark hören.

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